Als nach Beendigung des großen, unheilvollen Weltkrieges der allgemeine Aufbauwille, die Erhaltung und Förderung, wertvoller deutscher Kulturgüter ganz besonders zur Notwendigkeit machte, galt es auch in unserer Gemeinde diesen idealen Gedanken zu verkörpern. Durch das Ausfallen der Militärdienstpflicht war es vorerst möglich, den Gesangsverein neu zu organisieren und gut auf die Beine zu bringen. Das Aufblühen von Vereinen bedingte in manchen Orten auch größere Festlichkeiten. Es war im Jahre 1925 als nach dem Weltkriege die erste Festlichkeit in unserer Gemeinde stattgefunden hat. Dies war die Fahnenweihe des hiesigen Männergesangsvereins. Ein ganz besonders festliches Gepräge gaben diesem denkwürdigen Tage die zahlreich, aus den Nachbarsorten erschienenen Musikvereine. Es war deshalb nicht verwunderlich, dass unter einigen hiesigen Einwohnern Bestrebungen wachgerufen wurden, ob nicht die Möglichkeit vorhanden wäre, selbst einen eigenen Musikverein ins Leben zu rufen. Doch aber diese Bestrebungen scheiterten vorerst der großen Geldknappheit wegen und es schien, dass dieser Gedanke bis auf weiteres überhaupt keinen festen Fuß fassen könnte.
Zwei Jahre später im Jahre 1927 wurde durch Zufall einigen Unteressenten bekannt, dass in Grunern bei Staufen gebrauchte Instrumente für eine ganze Besetzung zu verkaufen wären. Durch diese sich nun bietende Gelegenheit wurde der Gedanke an einen Musikverein wieder neu belebt und wachgerufen. Ebenfalls am Ostermontag, den 18. April 1927 der Musikverein Grunern mit seinen neuen Instrumenten hier mit einem Konzert aufwartete, reifte aus dem Gedanken ein Entschluss.
Hiesige junge Leute konnten sich entschließen, am darauffolgenden Sonntag, den 24. April die uns gebotenen Instrumente zu besichtigen. Zwar wurde von hiesigen Einwohnern vor einem solchen Schritt gewarnt, aber dem Vorhaben konnte kein Einhalt mehr geboten werden. Von einem festen Willen beseelt, wurde doch am 24. April die Reise nach Grunern unternommen. Etwa 10 hiesige Bürgersöhne hatten sich Herrn Zollsekretär Schäfer angeschlossen und mit Fahrrädern den Weg dorthin unternommen. Auf dem Wege dorthin hat sich ein Fachmann auf dem Gebiet der Musik, ein Freund von Herrn Schäfer angeschlossen und hat bei der Besichtigung den Ankauf der Instrumente empfohlen. Nach der Besichtigung, sowie der Prüfung wurde mit der Vorstandschaft des Musikvereins Grunern in Verhandlungen zwecks Kaufes eingetreten. In weiterem Verlauf derselben machte sich eine große Hartnäckigkeit vonseiten des Verkäufers bemerkbar und schließlich wurde doch sein Plan ausgeführt. Lauft Kaufvertrag wurden die Instrumente dann zum Preise von 500 RM angekauft, wofür Zollsekretär Schäfer die Bürgschaft übernahm. Ganz begeistert für einen Musikverein wurde die Heimreise angetreten. Sämtliche Instrumente wurden mitgenommen und unterwegs wurde im Gasthaus zum „Löwen“ in Staufen eingekehrt. Dem Wunsche der Gäste, ein Musikstück vorzutragen, konnte von den noch allzu jungen Musikanten nicht entsprochen werden. Nach einer kleinen Stärkung, wurde freudig der Heimat entgegengefahren. Durch einen Umzug mit den gekauften Instrumenten durch alle Straßen des Dorfes wurde die hiesige Einwohnerschaft ganz überraschend in Kenntnis gesetzt, dass die zur Besichtigung geeilten Leute diesen gewarnten Schritt doch gewagt haben. Nach Beendigung desselben wurden die Instrumente, in Vereinbarung mit der Gemeindebehörde auf dem hiesigen Rathause bis auf weiteres aufbewahrt.
Am 8. Mai 1927, also 14 Tage später wurde zur Gründung eines Vereins in einer Versammlung im Bürgersaal des hiesigen Rathauses geschritten. Es war erfreulich, zu sehen, dass zahlreiche hiesige Bürger dazu eingefunden sich hatten.
Gründungsprotokoll:
Gründung des Musikvereins Oberrimsingen
Einer am 8. Mai 1927 auf dem Bürgersaal des Rathauses Oberrimsingen einberufenen, allgemeinen Versammlung, hatten sich zahlreiche Bürger eingefunden. Die erschienenen Interessenten wurden von Herrn Zollsekretär Schäfer begrüßt und auf die große Bedeutung derselben aufmerksam gemacht. Eine der wichtigsten Fragen, die Schaffung einer festen Grundlage, durch richtige Organisation des Vereins, wurde bei der hierbei erfolgten Wahl geregelt. Aus der Mitte der Versammlung wurde eine Wahl mit Stimmzetteln gefordert, aber gewisse Fachmänner brachten es dennoch fertig, dass die ganze Vorstandschaft einstimmig gewählt wurde. Für den Musikverein wirkte sich dieses Verfahren gerade nicht fortschriftlich aus.
Es wurden einstimmig gewählt:
Als I. Vorstand: Zollsekretär Schäfer
Als II. Vorstand: Julius Müller
Als Schriftführer: Johnann Müller
Als Kassierer:
Als Musikwart: Otto Weismann
Als Vereinsdiener: Franz Großkopf
Als Vertreter der passiven Mitglieder im gesamten Vorstande des Musikvereins, wurden als Beiräte gewählt:
August Ott
Georg Zeller
Hugo Selinger
Robert Schillinger
Eine andere wichtige Frage, die Beschaffung des Geldes zur Bezahlung der Instrumente, wurde durch Festlegung einer allgemeinen Sammlung in hiesiger, sowie in der Gemeinde Grezhausen geregelt. Als Musikdirigent wurde vorläufig Herrn Schulze von Hartheim bestellt.
Dem Antrag, an die Gemeindebehörde, zwecks Überlassung des Bürgersaales als Probelokal, wurde entsprochen. Nachdem noch einige kleinere Angelegenheiten erledigt wurden, konnte der erste Vorstand die Gründungsversammlung schließen und dankte für den zahlreichen Besuch.
Da, nach verschiedenen Vorschlägen das Amt des Kassierers nicht besetzt wurde, übernahm der Schriftführer Johann Müller dasselbe. Dass das neu geschaffene Werk setzte der Bevölkerung eine große Begeisterung hervorrief, zeigte die Sammlung an den folgenden Tagen nach der Gründungsversammlung. Das Ergebnis zeigte die schöne Summe von 722 RM. Mit dieser Summe konnten die Instrumente bezahlt werden und zugleich bildete sich ein guter und fester Kassenbestand. Ein gutes Fundament für einen Musikverein bildeten auch die zahlreich beigetretenen passiven Mitglieder.
Der vorläufig, als Musikdirigent vorgesehene Herrn Schulze nahm am 22. Mai davon Abstand und jetzt begann eine so richtige Jagd nach einem Dirigenten. Verschiedene Kapellmeister wurden namhaft gemacht. Einmal kam Herrn Gutmann von Grunern und hielt eine Probe ab. Dabei wurde, ohne jegliche Notenkenntnis, geblasen, aber diese Handlung beutete zweifellos keinen Fortschritt. Deshalb sah sich die Vereinsleitung gezwungen, die Frage des Dirigenten schnellstens zu klären. Höchste Zeit war es, wollte doch auch einmal der junge Verein etwas bieten. Schließlich einigte man sich auf Herrn Schieß von Krozingen und in den darauffolgenden Tagen konnten die Vorstandsmitglieder Julius und Johann Müller die freudige Nachricht von Krozingen bringen, dass Herrn Schieß das Amt übernimmt.
Am 29. Mai fuhren wieder einige Vorstandsmitglieder nach Krozingen zum Quellenfest und erhielten von Herrn Schieß, die Zusicherung, dass bald mit den Proben begonnen werde. Etwa 10 Tage später war die lang- und heißersehnte erste Probe. In derselben und den folgenden wurde aber nicht geblasen, sondern Noten gelernt und somit ein gutes Fundament für eine Musik gelegt.
Von der Vereinsleitung wurden auch Satzungen festgelegt und später noch gar voll und besser ergänzt. Im Monat Juli 1927 wurde unser I. Vorstand Herrn Zollsekretär Schäfer nach Freiburg versetzt. Eine kleine Abschiedsfeier wurde im Gasthaus zum „Hirschen“ abgehalten, wobei Herrn Schäfer den aktiven Musikern ein Fass Bier stiftete. In seinen Abschiedsworten forderte der scheidende Vorstand die Musikanten auf zur tatkräftigen Arbeit und großer Einigkeit. Im Namen des Musikvereins sprach Schriftführer Johann Müller Worte des Dankes für die tatkräftige und vorbildliche Arbeit des Vorstandes und betonte u. a. dass man nur durch Kampf zum Sieg kommen kann.
Durch den Wegzug des I. Vorstandes war der Verein verwaist und nur der zielbewussten Arbeit von Herrn Schieß war es zu verdanken, dass der Verein Fortschritte zu verzeichnen hatte. Durch eifriges Proben war es nur möglich, am 24. Juli Vorbereitungen auf das Kirchenfest zu treffen. An diesem Sonntage, umgeben von schwerer Erntearbeit, wurde nachmittags nach Grezhausen marschiert. Unterwegs wurde das Lied „Preiset Lippen, sowie ein Marsch im marschieren gelernt. Zahlreiche Neugierige folgten dem Musikverein dorthin. In Grezhausen wurde im „grünen Baum“, wo wir eben nur das gelernte und wenige bieten konnten. Hier wurde der ganze Verein unentgeltlich bewirtet, wofür Herrn Otter der beste Dank gesagt sei. In heiterer Stimmung ging es von Grezhausen nach hier in den „Löwen“. Große Freude konnte man von den zahlreichen Gesichtern ablesen, als die Musik spielend in das Dorf einzog. Auch im „Löwen“ wurde das wenige vorgetragen und jeder Musiker wurde in dankenswerte Weise mit einer Flasche Bier beschenkt. Nachdem noch nachher im „Hirschen“ eingekehrt wurde, fand der Übungstag seinen Abschluss. In fröhlicher Stimmung und stetem Gedenken an diesen „Training“ gingen die Musikanten auseinander.
Quelle: Protokollbuch Musikverein Oberrimsingen e.V., 1927